komponistin, chorleiterin, dozentin

Unter der linden
   
 

 

liederzyklus frauenchor / kinderchor

titel besetzung text sprache schw.gr. verlag
Under der linden SSA Walther v.d. Vogelweide Mittelhochdt. ms EF 6432

Du bist min
SSA Wernher der Gartenaere Mittelhochdt. ms EF 6433
Hochzit SSA anonym Mittelhochdt. ms EF 6434


Texte
 

Original Mittelhochdeutsch


Übertragung

Under der linden
(Walther von der Vogelweide)

Under der linden
an der heide,
dâ unser zweier bette was,
dâ muget ir vinden
schône beide
gebrochen bluomen unde gras.
Vor dem walde in einem tal,
tandaradei,
schône sanc diu nahtegal.

Ich kam gegangen
zuo der ouwe,
dô was mîn friedel komen ê.
Dâ wart ich enpfangen,
hêre frouwe,
daz ich bin sælic iemer mê.
Kust er mich? Wol tûsentstunt:
tandaradei,
seht, wie rôt mir ist der munt.

Dô het er gemachet
alsô rîche
von bluomen eine bettestat.
Des wirt noch gelachet
inneclîche,
kumt iemen an daz selbe pfat.
Bî den rôsen er wol mac,
tandaradei,
merken, wâ mirz houbet lac.

Daz er bî mir læge,
wessez iemen
(nû enwelle got!), sô schamt ich mich.
Wes er mit mir pflæge,
niemer niemen
bevinde daz, wan er und ich,
und ein kleinez vogellîn –
tandaradei,
daz mac wol getriuwe sîn.

Unter der Linden
(Walther von der Vogelweide)

Unter der Linde,
auf der Heide,
dort wo das Bett von uns zweien war,
da könnt ihr sehen,
liebevoll gebrochen,
Blumen und Gras.
Vor einem Wald in einem Tal,
tandaradei,
sang schön die Nachtigall.

Ich kam gegangen
zu der Wiese:
Mein Geliebter war schon vor mir da.
Und so begrüßte er mich,
heilige Jungfrau,
daß ich darüber für immer glücklich bin.
Ob er mich küßte? Sicherlich tausendmal:
tandaradei,
seht, wie rot mein Mund ist.

Er hatte aus
Blumen ein herrliches
Bett hergerichtet.
Darüber wird sich jeder von Herzen
freuen,
der dort vorübergeht.
An den Rosen kann er noch gut,
tandaradei,
erkennen, wo mein Kopf lag.

Daß er mit mir schlief,
wüßte das jemand
(nein bei Gott!), dann schämte ich mich.
Was er mit mir tat,
niemand jemals soll das
wissen außer ihm und mir.
Und jenem kleinen Vogel:
tandaradei,
der wird sicherlich verschwiegen sein.

 

Du bist min
(Anonym)

Du bist mîn, ich bin dîn:
des solt dû gewis sîn.
dû bist beslozzen
in minem herzen,
verlorn ist das slüzzelîn:
dû muost immer drinne sîn.

 

Du bist mein, ich bin dein
(Anonym)

Du bist mein, ich bin dein:
des sollst du gewiss sein.
du bist beschlossen
in meinem Herzen,
verloren ist das Schlüsselein:
du musst immer drinne sein.

Hochzit
(Wernher der Gartenaere)

Nû sul wir Gotelinde
geben Lemberslinde
und sulen Lemberslinde
geben Gotelinde.
ûf stuont ein alter grîse,
der was der worte wîse;
der kunde sô getâniu dinc.
er staltes beide in einen rinc.
er sprach ze Lemberslinde:
„welt ir Gotelind
êlîchen nemen, sô sprechet jâ!“
„gerne“ sprach der knabe sâ.
er frâget in aber ander stunt:
„gerne“ sprach des knaben munt.
zem dritten mâle er dô sprach:
„nemt ir si gerne?“ der knabe jach:
„sô mir sêle unde lîp
ich nime gerne ditze wîp.“
dô sprach er ze Gotelinde:
„welt ir Lemberslinde gerne nemen zeinem man?“
„jâ, herre, ob mir sîn got gan.“
„nemt ir in gerne? sprach aber er.
„gerne, herre, gebt mirn her!“
zem dritten mâle: „welt irn?“
„gerne, herre, nû gebt mirn!“
dô gap er Gotelinde
ze wîbe Lemberslinde
und gap Lemberslinde
ze manne Gotelinde.
si sungen alle an der stat,
ûf den fuoz er ir trat.

 

Hochzeit
(Wernher der Gartenaere)

Nun sollen wir Gotelinde
geben Lämmerschling
und sollen Lämmerschling
geben Gotelinde.
Ein Mann stand auf, war grau und alt,
der ihnen für sehr weise galt
und sich auf mancherlei verstand;
der stellt‘ die beiden in einen Ring
und sprach zu Lämmerschling:
„Wollt ihr die Jungfrau Gotelinde hier
zum Weibe nehmen, so sprechet: ja!“
„Gerne!“ Sprach der Bursche da.
Und wieder frug der Greis den Herrn,
und wieder sprach der Bursche: „Gern!“
Zum dritten Mal die Frag erging,
und wieder sagte Lämmerschling:
„So mir Gott helfe mir an Seel‘ und Leib!
Ich nehme gerne sie zum Weib.“
Der Greis zu Gotelinden dann:
„Wollt ihr den Lämmerschling zum Ehemann nehmen allhier?“
Sie sprach: „So war Gott helfe mir!“
„Nehmt ihr ihn gern?“ Sprach wieder er.
„Ja, Herr, gewiss! Gebt mir ihn her!“
Zum dritten Mal „Wollt ihr ihn?
Gerne, Herr, nun gebt mir ihn“
Da gab er Lämmerschling
zum Weib Gotelind,
und gab Lämmerschling
zum Manne Gotelind.
Sie sangen alle an der Statt,
und er auf ihren Fuß ihr trat.


 

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